The Sweet Janes

Das sympathische Innsbrucker Duo The Sweet Janes ist nun schon wiederholt in den Indie-Charts auffällig geworden. Letztes Jahr war die "Die WG", und aktuell "Unglück". Karin Berner und Angelika Ennemoser kannte man in den 90ern als Teil der Atom Cats, und nun sind sie eben The Sweet Janes. Hier gibt's die Beiden nun im Indie-Charts-Interview.

Wollt ihr uns kurz den Werdegang der Sweet Janes schildern; seit wann gibt es euch, von wo kennt ihr euch, und wie kam es zu der Entscheidung die Sweet Janes in dieser Duo-Form zu gründen?

Hier müssen wir wohl ein bisschen ausholen. Kennen tun wir uns seit 32 Jahren, also seit Anfang der 1990er. Eine gemeinsame Freundin hat uns den Link zueinander gelegt. Unsere musikalischen Wurzeln reichen ins Innsbrucker Haus am Haven und in eine Zeit der radikalen Selbstermächtigung zurück. Damals haben wir zu viert die Atom Cats gegründet, die erste all-girls Band Innsbrucks.

Anlässlich eines Benefizkonzertes für die geklaute Technik der Innsbrucker Noise Rock Band Bug ist die Idee zum Duo entstanden. Damals nannten wir uns „The Buguettes“.  Mit unserer charmanten Version von „Wir sind coole Katzen“ gewannen prompt den Cover-Wettbewerb des Abends. Daraufhin beschlossen wir euphorisch, sollten wir jemals abseits der Atom Cats wieder als Duo zusammenarbeiten, dies als The Sweet Janes zu tun. Und seit Dezember 2015 haben wir das auch in die Tat umgesetzt.

Das deutsche Album ist euer erstes deutschsprachiges Album, was euch sehr gut steht; die beiden davor waren auf English. Ist das ein Weg, den ihr weitergehen wollt, oder war das ein einmaliger Ausflug?

Wir haben uns zum ersten Mal bei einer ausgedehnten Probe an deutsche Lyrics herangewagt. Unsere „Schlagerangst“ bezwingend, haben wir einen ursprünglich englisch getexteten Song spontan beim Spielen übersetzt und hatten auch den Eindruck, dass es uns gut steht. Es fühlte sich authentisch an. Nachdem wir diese Tür einmal aufgestoßen hatten, ging es einfach auf Deutsch weiter. Und es macht uns Spaß. Das schließt aber nicht aus, dass wir auch wieder mal anderssprachige Songs schreiben werden.

Das Album ist vor circa einem Jahr erschienen (und ihr wart auch mit der Single „Die WG“ daraus, voriges Jahr bereits in unseren Top Ten). Wie würdet ihr insgesamt die Reaktionen beschreiben?

Als wir zum ersten Mal unsere Top-Ten Platzierung entdeckt haben, sind die Endorphine mit uns durchgegangen! Wir genossen und teilten unseren Taumel natürlich sofort im privaten Umfeld und auf den sozialen Plattformen. Es hat uns sehr bestärkt, dranzubleiben und uns im weitgehend männlich dominierten Musikgeschäft zu behaupten. Die indie-charts haben uns auch eine beachtliche Radiopräsenz beschert, auf die wir schon sehr lange gewartet haben. Damals noch ohne Label und bis heute „independent“, also ohne Förderer, bzw. Sponsoren im Hintergrund, war das für uns doch ein bemerkenswerter Erfolg. Der Neueinstieg mit „Unglück“ gleich auf Platz 5 löst natürlich auch wieder voll den Euphorie-Schub aus und wir fühlen uns in unserem Tun weiter bestätigt.

Ausgerechnet mit diesem deutschen Album seid ihr bei einem afrikanischen Label aus Moçambique gelandet. Wie kam es denn dazu?

Ein gemeinsamer Freund aus Innsbruck ist dorthin ausgewandert und bei einem Besuch im letzten Jahr haben wir das Studio „Bom dia Inhambane“ (Anm.: www.studiobomdia.com) kennengelernt. Ganz unserer Zurückhaltung entsprechend hatten wir natürlich einen Stick dabei. Dem Labelbetreiber gefiel’s und nach einigen Seideln war der Vertrag unter Dach und Fach.

Daheim seid ihr in Innbruck; gibt es da grad eine interessante Szene in die ihr eingebettet seid oder seid ihr mehr als Einzelkämpferinnen unterwegs?

Es gibt in Innsbruck definitiv eine interessante und vielfältige Szene. Beharrlich fühlen wir uns auch immer noch als konstanter Teil davon, obwohl wir natürlich nicht mehr mit Hans Dampf durch alle Gassen laufen. Unsere Homebase, das Proberaumkollektiv „workstation“, ist dabei eine wichtige Begegnungszone verschiedenster Genres und Altersgruppen. Diese Begegnungen tun allen gut und oft entstehen tolle Gemeinschaftsprojekte oder Konzerte. 

Was sind jetzt wo die Pandemie fürs erste überwunden scheint eure Pläne; wird schon an einem nächsten Album gefeilt beziehungsweise was steht live an?

Wir fangen mit den Drums an: Nach der Veröffentlichung unseres ersten Albums „simon says“, das von Simon Handle - dem Tonmeister unseres Vertrauens - mit einem computergenerierten Schlagzeug aufgenommen wurde, suchten wir nach einer Möglichkeit, unsere Songs live umzusetzen. Gefunden haben wir das Wunderding BeatBuddy, ein Schlagzeugpedal, das live gespielt wird und das wir inzwischen auch bei unseren Aufnahmen verwenden.

Wie viele andere Künstler*innen hatten auch wir eine längere Bühnenpause. Momentan arbeiten wir noch an weiteren neuen Liedern und freuen uns schon sehr auf unsere nächsten Konzerte im Herbst. Natürlich hoffen auch auf weitere Anfragen, vielleicht kann dieses Interview ja dazu beitragen.

 



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