Michi Hatz interviewt Nino aus Wien

ROLLENTAUSCH UND GEDANKENAUSTAUSCH MIT DEM NINO AUS WIEN

Der Eine ist ein begnadeter Singer-/Songwriter und wollte immer Fußballer werden und der Andere war Fußballer und liebt die Musik über alles...daraus ist ein langes, aber kurzweiliges und interessantes Gespräch entstanden...

Wir treffen uns in einem dieser ehrwürdigen, traditionsbewussten Cafés in Wien, bezeichnenderweise Café „Alt Wien“ benannt. Selber bin ich unzählige Male interviewt worden, nun bin ich erstmalig auf der anderen Seite und darf dem österreichischen, so talentierten Songschmied ein paar Fragen stellen. Sehr sympathisch, nett, lustig, entspannt und überaus angenehm ist unser zweites Treffen, wie schon unser erstes Kennenlernen vor ein paar Wochen. Nino kommt gerade aus Tirol von ein paar Auftritten mit „Ernst Molden“.

Nach einer kurzen Plauderei darüber und den grandiosen Rapid Sieg gegen Salzburg am Vortag, singen wir plötzlich und unvermittelt gemeinsam die ersten Zeilen der wunderbaren Ballade „Bevor du schläfst“ vom aktuellen Album... Wenns so heiß ist in der Nacht, dass'd dein ganzes Leben spürst, dein Herz den Rhythmus gibt, mit dem'st dann Lieder singen wirst, du erinnerst dich an alles, was irgendwann geschah, und weißt nix ist egal, es ist alles wahr…cool find ich das, ich mag das Lied so sehr, höre es oft und kann den Text bereits so gut wie auswendig.

Dann legen wir los. Das Gespräch nimmt einen sehr leichtfüßigen und flüssigen Verlauf. Nino ist sehr freundlich, mit ruhiger, langsamer Sprache wohl überlegend, einmal mehr nachdenklich und philosophisch, dann wieder begeistert, trotzdem stets angenehm und unaufgeregt, charmant mit seinem unverkennbaren eleganten, zurückhaltenden aber doch sehr präsenten, humorvollen und geistreichen Wiener Schmäh, und alles in allem sehr gesprächig und redselig, was unser Treffen und das folgende Interview sehr angenehm und kurzweilig macht...

MICHI:
Hallo, Nino! Vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst und wir uns im Café „Alt Wien“ treffen! Wieso hast du diesen Ort gewählt, hast du einen besonderen Bezug zu diesem Lokal?

NINO:
Ich war früher öfter hier, habe hier oft Interviews gemacht, mein Interview Lokal, ich war lange nicht mehr da. Ich will sowieso in Wien nicht immer in dasselbe Lokale gehen, ich wechsle lieber, da fühl ich mich irgendwie wohler. Ist schon ein schönes Café Haus, ein bissl eine Mischung aus Beisl und Kaffeehaus, hab schon auch ein paar schöne Abende hier verbracht, ist schon lang her. Und es gibt hier den besten Knoblauch Schnaps von Wien und eines der besten Gulasche, ist berühmt dafür...

MICHI:
Unser verbindet der Fußball und die Musik. Haben da auch einen ähnlichen Geschmack...

NINO:
...und den richtigen Verein...

MICHI:
...genau, da gibt’s einige Verbindungen...und ich habe ja seit über einem Jahr einen Musikblog und ich dachte mir, es wäre doch spannend dafür ein Interview zu machen. Und so hab‘ ich dich dann einfach mal über Facebook angeschrieben. Was waren denn deine ersten Gedanken als du meine Nachricht gelesen hast?

NINO:
Na ja, so wow, der Michi Hatz von Rapid, hab mich schon sehr gefreut irgendwie. Damit rechnet man nicht, dass man von einem Rapidler aus so einer großen Mannschaft seiner Kindheit angeschrieben wird. Hat mich echt gefreut und konnte gar nicht nein sagen.

MICHI:
Ich fang mal mit den klassischen Fragen an, die mich interessieren, die vielleicht meine Leser interessieren, die du aber vermutlich schon 100 Mal beantwortet hast. Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?

NINO:
Meine Eltern waren keine Musiker. Mein Bruder war eigentlich der Musiker in der Familie als DJ Dan (Daniel) und hat so Techno Sachen produziert. Ich hab‘ mich lang nicht so interessiert dafür. Mit 10 Jahren hab‘ ich dann zum ersten Mal die Beatles gehört, „Hey, Jude“, und das hat mich so sehr berührt. Bis dahin hab‘ ich immer nur Radio und Ö3 gehört und dachte, dadurch kenn ich eh schon alle Lieder. Aber dann hab‘ ich eben im CD Schrank meiner Eltern die Beatles entdeckt. Das war die erste besondere und sehr intensive Berührung mit Musik. So ist dann auch langsam die Liebe zu den 60er Jahren entstanden. Auch zu „Pink Floyd“, „The Who“ oder den „Doors“. Das waren meine Lieblingsbands mit 15. Da hab‘ ich dann auch die „Beatles- Anthology“ gesehen, 9 DVDs waren das glaub ich, die Geschichte der „Beatles“ und da hat es mich dann voll erwischt. Ab da wollte ich einer der „Beatles“ sein, Konzerte spielen und Gitarre lernen.
Mit 15 oder 16 hab ich dann meine erste Gitarre bekommen. Beim Gitarrenlehrer war ich nur einmal, da ich mit meinen eigenwilligen Kombinationen gegen jede Regel verstoßen habe und so sind wir gleich wieder auseinander gegangen, aber in Frieden. Ich hab’s mir dann einfach selber beigebracht.

MICHI:
Wann hast du angefangen Lieder zu schreiben?

NINO:
Sobald ich eine Gitarre hatte, hab ich eigentlich schon angefangen Lieder zu schreiben und es ging schon in eine bestimmte Richtung. Ich wusste auch damals schon, wo ich hin wollte. Mit 19 Jahren dann die ersten richtigen Lieder, die es auch schon auf Platte geschafft haben. In Schulbands habe ich nie gespielt, war eher der Einzelgänger und hab mich auch lange nicht getraut meine Lieder herzuzeigen.

MICHI:
Spielst du auch andere Instrumente?

NINO:
Nein, ich hab ein bisschen auf dem Keyboard herumgetimpert, aber bin ziemlich schlecht darin. Auch noch die Mundharmonika, aber ich bin sicher kein Multi-Instrumentalist. Bin gar nicht wirklich ein Instrumentalist. Ich hab‘ meine Gitarre und die ist mein Werkzeug und ohne die kann ich auch keine Lieder schreiben.

MICHI:
Wie schreibst du deine Lieder? Was kommt zuerst der Text oder die Melodie?

NINO:
Irgendwie schwer zu beschreiben, aber meistens passieren die Dinge gleichzeitig. Die Gitarre immer in der Hand und im besten Fall kommt die erste Strophe gleichzeitig mit den Akkorden raus. Dann schreibt man so mit oder nimmt mit dem Handy auf. So habe ich meistens meine Lieder geschrieben. Mittlerweile mach ich das mit dem Laptop. An den Texten muss man dann schon noch feilen am Ende, da kommt die Feinarbeit und geht’s um jedes Wort, auch wegen dem Rhythmus.

MICHI:
Ich finde, dass du nicht nur musikalisch hochtalentiert, sondern auch sehr poetische veranlagt bist. War das immer schon von Kindesalter an, dass du Texte geschrieben hast oder gar Gedichte?

NINO:
Ja, schon. Ich hab‘ als Volksschulkind ziemlich viele Geschichten erfunden, zum Beispiel über Länder, die es nicht gibt. Noch ohne Instrumente und Musik. Wobei ich eh finde, dass Sprache sowieso Musik ist. Noch bevor das mit der Musik losgegangen ist, hab ich beim allerersten „Poetry Slam“ in Wien mitgemacht und sogar gewonnen. Ich hab‘ ein bissl geschummelt, denn es war eine Publikumsabstimmung und ich hatte so viele Freunde mit. Ich hab‘ sie bestochen und gesagt- „wählt‘s für mich, dann zahl ich euch ein Bier...“ (ich muss erstmalig richtig schmunzeln, auch das mag ich am Nino, seine trockenen, aber lustigen Erzählungen mit einem unmerklichen, aber sehr spitzbübischen Lächeln seinerseits...) Jetzt ist’s mir etwas peinlich, denn ich war eigentlich der Schlechteste, finde ich...und ich hatte damals sogar eine Gipshand, also war mein erster Live Auftritt eigentlich mit Gipshand. Später wollte dann sogar Jemand bei so einem Wettbewerb einen Text von mir in einem Literaturmagazin veröffentlichen. Der hat mir dann auch noch mein erstes Konzert verschafft, 2006 oder 2007 im Café „Anno“ bei so einem Literaturevent- 5 Lieder hab‘ ich da gespielt. Es war eh cool. Und im Publikum war Jemand, der dann gleich eine Platte mit mir aufnehmen wollte. Ich hab‘ das gar nicht gepackt irgendwie, war aber natürlich voller Glücksgefühle. Und tatsächlich haben wir dann die erste Platte produziert- „The Ocelot Show“ 2008. Wir haben eineinhalb Jahre herumgetan, weil ich mich im Studio überhaupt nicht ausgekannt hab. Musste das alles erst lernen. Da sind auch Lieder oben, die ich immer noch gerne spiele. Aber es war schon eine Arbeit. Hab‘ dabei viel gelernt.

MICHI:
Was inspiriert dich zu deinen Texten? Sind das vorwiegend Alltags-Erlebnisse oder was du rund um dich wahrnimmst, beobachtest?

NINO:
Es kann ja alles irgendwie inspirieren, aber man ist nicht immer inspiriert. Das geht halt nicht. Aber ich achte schon auf Kleinigkeiten um mich herum.

MICHI:
Ich finde es auch sehr schön, wie du Alltag und Phantasie miteinander verknüpfst. Ich würde meinen wie kaum ein Anderer. Ist Literatur ein Thema bei dir? Ist der Nino sehr belesen, liest du gerne?

NINO:
Eine Zeit lang hab ich sehr viele Bücher gelesen, die letzten Jahre ist es aber weniger geworden. Ich mochte immer „James Joyce“ oder auch Wiener Dichter wie „Peter Altenberg“, unspektakulär aber schöne Stimmung. Auch „Edgar Allan Poe“ oder englische Nonsense-Literatur, lustig und absurd.

MICHI:
War es jemals ein Thema für dich auch englisch zu singen?

NINO:
Anfangs schon ein bisschen, aber man stößt da schon an seine Grenzen, mein erstes Lied war „High Sun“, das war nicht so gelungen und hab schnell herausgefunden, dass es besser ist wenn ich deutsch singe. Außerdem haben ja auch die „Beatles“ oder „Syd Barrett“ in ihrer Muttersprache gesungen.

MICHI:
Siehst du dich als Hüter des Wiener Liedes und des Austro-Pops im positiven Sinne?

NINO:
Eigentlich hab ich früher nur englische Musik gehört und war davon auch sehr beeinflusst. Erst nach und nach haben mir die Leute gesagt, dass ich nach „Ambros“ oder „Danzer“ klinge und erst da bin ich mit deren Musik richtig in Verbindung gekommen. Dann wurde ich auch ein „Ambros“ Fan, obwohl ich weiterhin die „Beatles“, „Pink Floyd“ oder „Bob Dylan“ gehört hab, aber das hat der „Ambros“ ja auch gerne gehört. Und ich finde er hat ganz großartige Sachen gemacht und ist schon ein Held für mich. „André Heller“ hat mir auch gefallen.

MICHI:
Und wie stehst du zu „Falco“?

NINO:
Der „Falco“ ist super. Groß und wichtig für die österreichische Musik. Gehört hab‘ ich ihn eher weniger. Aber er war schon cool. Mich nervt nur dieser Hype um ihn. Ist mir schon zu viel. Alle waren auf einmal Haberer mit ihm. Er war leiwand. Seine Lieder sind leiwand. Aber die Blase rundherum interessiert mich nicht so.

MICHI:
Du hast 10 Jahres Jubiläum und eine neue Platte, die ich ganz großartig finde. Kann man sagen, dass dies deine beste Platte bisher ist?

NINO:
Schwierig die Übersicht zu bewahren. Es ist besser mehr zu machen als zu wenig. Da fühl ich mich besser. Zum Glück steht mein Label hinter mir und ich kann jedes Jahr ein Album machen. Ich schreibe sehr viele Lieder und es sind ja nicht immer nur großartige Lieder. Da sind schon auch Füller dabei, die aber auch irgendwie dazu gehören. Aber ja, das letzte Album hat mir schon getaugt, es kommt von Herzen. Aber ich will mich immer weiterentwickeln. Kann mir vorstellen, dass es immer noch besser wird. Ein schwaches Album zwischendurch darf aber auch passieren. Mein Luxus ist auf einem Indie Label zu sein, so hab‘ ich keinen Druck Hits zu schreiben und das ist auch nicht mein persönliches Ziel. Ab und zu passiert halt ein kleiner Hit für gewisse Leute.

MICHI:
Es ist ja nicht leicht als Musikschaffender in Österreich. Kannst du davon leben?

NINO:
Ja, ich kann überleben als Künstler in Wien und das ist schon mal super und nicht selbstverständlich. Ich denke es war schon mal schwerer. Es ist zuletzt schon ein gewisser Hype entstanden, der es uns leichter macht. Früher hat man vielleicht mehr CDs verkauft, dafür hat man jetzt viel mehr Möglichkeiten live zu spielen. Und das mache ich auch. Und solange die Leute kommen, geht sich das auch aus. Von CD Verkäufen könnte ich nicht leben.

MICHI:
Gibt’s da Nebenprojekte?

NINO:
Schon ein bissl was. Immer wieder so Kleinigkeiten. Hab einen Werbespots fürs Radio eingesprochen. Oder sogar in einem Film mitgespielt, obwohl ich der schlechteste Schauspieler von Wien bin. Aber die haben mich gefragt. Ich war ein junger Kutscher im 18. Jahrhundert im Film „Licht“ von „Barbara Albert“. Ich probier‘ immer schon wieder andere Sachen, wie zum Beispiel Hörspiele.

MICHI:
Was erwartest du von öffentlicher Seite? Auf „FM4“ bist ja gut vertreten, „Ö3“ schon wieder kaum. Österreichische Musik gehört da ja auch viel mehr unterstützt, damit ihr mehr Kraft bekommt, oder?

NINO:
Ich versteh „Ö3“ schon, dass die keine Experimente wollen und ihre Hörer nur unauffällige Neben-Musik, daher kann ich das nachvollziehen mehr auf „FM4“ zu sein. Aber z.B. „Radio Wien“ könnte das mehr bringen, auch Leute wie den „Ernst Molden“, was ja leider auch eher nicht passiert. Es ist vor allem „FM4“, die ihre Verantwortung wahrnehmen österreichische Musik zu unterstützen und da wirklich viel machen. Ich weiß aber ehrlich gesagt auch gar nicht was „Ö3“ gerade spielt. Paar österreichische Sachen werden denke ich schon vorkommen wie z.B. „Wanda“.

MICHI:
Apropos- wie siehst du das Phänomen „Wanda“ und „Bilderbuch“, um die so ein großer Hype entstanden ist, obwohl es so viele andere gute österreichische Bands gibt?

NINO:
Ich denke es profitieren alle eher davon. Das ist ja in Deutschland entstanden, die sich zunehmend für unsere Musik interessieren. Die stehen so auf die Wiener. Auch wenn sie vielleicht ein falsches Bild von uns haben. Die denken hier laufen alle herum und singen „Amore, Amore“ oder „komm in meinen Bungalow“. (ich muss immer wieder lachen über solche Sager) Denke, dass dadurch auch mehr Leute zu uns kommen. „Wanda“ sind sowieso Freunde. Ihre Lieder kommen von Herzen. Und „Marco“ hat die passende Stimme, er ist ein guter Sänger und auch guter Dichter, wie er mit den Worten umgeht und mit so wenigen auskommt. Da ist kein Wort zu viel. Bin echt ein Fan von ihm.  Er hat einen ganz eigenen Schmäh und so seine Tricks. Er ist so konkret und prägnant. Ich würde kein „Wanda“ Lied zusammenbringen.

MICHI:
Ich bin ja ein Verfechter der österreichischen Indie Szene. Ich höre das sehr gerne und bin sehr stolz darauf, ist auch absolut unterstützenswert! Wie siehst du das? Hörst du das auch gern?

NINO:
Ich war ja auch Kurator beim Pop-Fest letztes Jahr. Da war ich scouten in den Clubs und Bars. Es ist eh viel los in Wien. Du kannst auf so viele Konzerte gehen. Hab‘ ich viel gesehen und entdeckt. War dann schon fast überfordert. Es gibt echt viele gute Bands und immer mehr. Vielleicht war das immer schon so und hat es früher noch nicht so mitbekommen. Als ich damals begann, gemeinsam mit „Ja, Panik“ oder „Trojanisches Pferd“, war das schon anders. Da ist noch viel über „myspace“ passiert. War aber eine gute Zeit was zu beginnen. Davor kannte ich nicht so viel heimische Bands. Höchstens „Heinz aus Wien“ oder so. Heutzutage kann man auch schon leichter ein Album produzieren, trotzdem zählt da jeder Cent.

MICHI:
Aber man schafft etwas das Bestand hat?

NINO:
Schau‘n wir mal wie viel Bestand es hat. Es interessiert mich eh, wie man in 20 Jahren denkt, was gerade passiert. Schwer einzuschätzen. Was die jetzigen Stars dann für eine Bedeutung haben. Vielleicht „Soap&Skin“ in der Jury von „Starmania 3000“... (er lächelt wieder gedankenverloren zu diesem Szenario). Aber die alten Austro-Popper in den 70ern und 80ern haben vermutlich auch so gedacht. Ich hoffe, dass unsere Generation trotzdem immer weitermacht und mein Wunsch, mein Traum ist, dass wir nie schlechte Lieder machen, oder abstürzen oder in die Bedeutungslosigkeit fallen. Wir reden da untereinander auch manchmal drüber.

MICHI:
Ein heikles Thema- „Amadeus“. Wird ja sehr kontroversiell gesehen, ist aber doch eine Auszeichnung. Du warst auch schon oft nominiert und hast ihn ja schon einmal gewonnen. Wie stehst du dazu?

NINO:
Ich freu mich schon darüber. Ist ja eigentlich auch der einzige Preis, den ich gewinnen kann. Gibt ja sonst nix. Ich war nicht immer dort, weil ich selber gespielt hab. Ich würds auch nicht überbewerten. Durch die Live Übertragungen ist er erst bekannt geworden. Ich wollt‘ mal damit angeben bei Freunden und keiner wusste was das überhaupt ist. Ist ein bissl so wie der „Oscar“, teilweise fad, aber schon auch etwas Glamour. Es ist auf jeden Fall glamouröser, als so mancher Auftritt in der Provinz. Man trifft auch viele Kollegen. Kommerzieller Effekt ist es eher keiner. Aber trotzdem freu‘ ich mich. Ich hab‘ den „Amadeus“ zu meinen Eltern gestellt. Die passen auch besser darauf auf. Ich würd‘ ihn ja sonst vielleicht als Aschenbecher benutzen, weil er so eine Form hat. Jetzt können sie angeben damit. (ich muss wieder lachen, er ist einfach so lustig)

MICHI:
Champions League Trophäe wär‘ dir wohl lieber oder der Cupsieg von Rapid.

NINO:
Ja, voll, dieses Jahr Rapid Cupsieger wäre mir auf jeden Fall lieber als der „Amadeus“.

MICHI:
Ihr werdet ja mittlerweile in Deutschland viel gebucht, das ist doch schon ein sehr positives Zeichen. Verstehen sie dich da überhaupt?

NINO:
Ja, sie tun zumindest so als würden sie mich verstehen. Ja, das ist super. Geht teilweise bis in den Norden, waren letztens sogar in Lüneburg. Am besten läuft‘s in Bayern, sogar besser als in so manchem österreichischen Bundesland. Die Münchner lieben ja die Wiener. Ist fast wie ein Heimspiel. Nach Berlin gibt es auch einige gute Connections. Sind auch viele Wiener in Berlin. Extrem viele Künstler. Eine super Stadt, riesig und weit, mit viel Kraft, man muss fast aufpassen, dass sie dich nicht erdrückt oder man untergeht. Bin schon ein Berlin-Fan und sehr gerne dort, aber wohnen möchte ich dort nicht. Wien hat schon diese liebevolle Kleinheit, braucht man überall nur 20 Minuten hin und trifft immer wieder Leute. Ich bleib‘ lieber in Wien...

MICHI:
Du spielst ja irrsinnig gerne live, wo spielst du am liebsten?

NINO:
Ich finde die Abwechslung macht‘s. Außer Festivals, wir sind nicht so die Festival Band. Ich spiel echt gern und viel. Es gibt aber auch schwierige Konzerte. Live kann ich viel ausdrücken, was ich will. Und bin immer schon gerne auf der Bühne gestanden, auch wenn es am Anfang schwierig war. Damals im Fluc, da haben alle geredet und keiner zugehört. Umso schöner war es, wie es dann immer ruhiger geworden ist. Ich fühl‘ mich grundsätzlich sehr wohl auf der Bühne, da weiß ich was ich zu tun habe.

MICHI:
Bist du anders auf der Bühne?

NINO:
Ich glaub‘ man ist überall immer ein bisschen anders. Man ist auch beim Billa anders als beim Merkur, oder so. (schräger, aber lustiger Vergleich, typisch Nino) Das Leben ist ja auch keine Ebene und immer gleich. Auf der Bühne kann ich auch verschiedene Seiten zeigen. Und es ist auch eine Art Performance. Man muss sehr nah‘ an sich selber sein und ich geb‘ auch viel her von mir. Auch wenn ich nicht tanze, oder so. Tänzer bin ich keiner. Aber die Bühne löst viel aus in mir.

MICHI:
Was würdest du jungen Leuten raten, die Musik machen wollen, in diese Richtung gehen? Gibt es da einen Ratschlag oder Tipps vom Nino?

NINO:
Mein bester Tipp ist nicht auf Tipps zu hören...

MICHI:
...geil, das hat ja schon was von „Oscar Wilde“. Mein Lieblingsdichter, das gefällt mir...
(Nino lächelt etwas verlegen, aber stolz)

NINO:
Du brauchst immer eine Art von Überzeugung für das was du machst. Und Bands sollten nicht so viel Wert auf das Rundherum legen, wie schöne Fotos oder tolle Homepages, die Erfahrung hab‘ ich auch gemacht zum Beispiel beim Pop-Fest. Es geht in erster Linie um die Lieder und gute Musik. Ich bin da auch ein schlechtes Beispiel, hab‘ mich immer gegen Merchandising gewehrt. Obwohl ein T-Shirt wär‘ schon mal cool, vielleicht machen wir das jetzt einmal. Ein Plektron gibt’s von mir schon, ein echtes Nino Plektron. Leider hab‘ ich keins dabei, sonst würd‘ ich dir eins schenken. Ach ja, und dranbleiben muss man, überzeugt sein und sich nix einreden lassen. So wie es „Wanda“ gemacht haben. Die haben von Anfang an gewusst was sie wollen. Ist nicht immer leicht, wenn man bei einem größeren Label ist. Aber die haben das durchgezogen.

MICHI:
Was hörst du gerne privat? Gibt’s da auch Favorit-Bands so wie bei mir, die ganz vorne stehen?

NINO:
Immer noch die Sixties gerne. Eh auch viele österreichische Bands. Eben „Wanda“ find ich großartig, auch „Soap&Skin“. „Ambros“ mittlerweile. „Oasis“ hab ich auch gern gehört, ebenso die „Libertines“...

MICHI:
...großartig, genau das wollte ich dich auch noch fragen! Ich bin ja ein „alter“ Britpopper und liebe diesen Indie-Pop und Indie-Rock, die alternative acts von der Insel, d.h. sowas magst du auch gerne?

NINO:
Ja, schon. „Oasis“ hat mich irgendwann mal ziemlich erwischt, war ich ziemlicher Fan und hör ich immer noch gerne. Mehr sogar als „Blur“, obwohl die auch super waren. Man muss sich ja nicht für eine Band entscheiden in der Musik, das ist das Gute, nicht so wie im Fußball wo man sich für einen Verein entschließt.

 

MICHI:
Ich bin ja aufgewachsen mit „The Cure“, „The Jam“ und „Paul Weller“, „Depeche Mode“ und auch „The Smiths“ und „Morrissey“, von dem ich ein Riesenfan bin. Für mich bist du gerade in manchen melancholischen und poetischen Momenten deiner Songs oder Balladen für mich irgendwie der „Morrissey“ von Wien. Die Melancholie und Schwermut in der Melodie und den Texten hat mich immer schon sehr berührt.

NINO:
Ja voll, ich mag auch mehr die traurigen als die fröhlichen Lieder. Trotzdem find ich es immer cool, wenn ich ein fröhliches Lied schreib‘, wie zum Beispiel „Coco Bello“. Da bin ich dann schon stolz, dass ich das auch kann. Es geht auch hier um die Mischung. Aber letztlich beflügelt mich die traurige Musik mehr. Ich meine, „Oasis“ ist jetzt auch nicht traurig, aber auch nicht fröhlich. Es geht ums Gefühl. Manche haben halt etwas, das andere nicht haben.

MICHI:
Kleiner sidestep zu mir. Du bist auch auf meinem Musikblog aufmerksam geworden und ich schreib ja über verschiedene Sachen, vor allem was mich begeistert. Auch schon über dich. Wie ist das angekommen bei dir?

NINO:
Mir hat‘s echt gefallen was du geschrieben hast. Ich hab‘ das über „Wanda“ gelesen, über mich natürlich und ein paar andere Sachen. Find‘s super, echt sehr schön geschrieben, sehr sympathisch.

MICHI:
Zudem bin ich leidenschaftlicher DJ. Was würde sich der Nino vom DJ „IndieKid19“ wünschen in einer ausgelassenen und lustigen Nacht?

NINO:
„Strada del Sole“ vom „Fendrich“. Da können wir beide von Italien träumen. (lacht schelmisch in sich hinein, nicht zum ersten Mal an diesem Abend und sicher auch nicht zum letzten Mal und man ist sich nie sicher, ob er das ernst meint oder sich gerade nur einen kleinen Spaß erlaubt)Ja, ab und zu muss man sich auch was trauen. Aber wenn du mir das verweigerst, dann spielen wir halt „Live Forever“ von „Oasis“.

MICHI:
Zum Thema Fußball. Du hast ja einen großen Bezug dazu und es findet sich auch ab und zu in deinen Songs wieder, was ich auch lustig und sehr originell finde?

NINO:
Voll! Ich verwechsle ja Fußball und Musik im Traum irgendwie. Ich träum‘, dass „Ja, Panik“ ins Nationalteam einberufen wird oder der „Voodoo Jürgens“ die Champions League gewinnt. Bin im Herzen schon viel beim Fußball. Bin in einer Rapid Familie aufgewachsen. Alle sind Rapidler. Und mein erstes Spiel im Stadion war 1996 gegen Sturm, das hat mich schon irgendwie umg’haut. Da hast du eh auch g’spielt. Ich erinnere mich an einen Weitschuss vom „Ivanov“ übers ganze Feld. Das war schon toll. Wie war das für dich?

MICHI:
Es war die schönste Zeit meiner Karriere, größten Erfolge und extrem schöne Erinnerungen. War ja auch das Jahr des Europacup-Finales. Hatte zu der Zeit sogar noch mein Nationalteam Debut und schaffte danach auch den Sprung in Italiens Serie A als erst 5. Österreicher...

Während ich seine Frage beantworte, gehen 3 junge Menschen vorbei. Ehrfürchtig bleiben sie an unserem Tisch kurz stehen und grüßen Nino sehr freundlich und stolz. „Der Nino, großartig“, sagt der Eine und der Andere küsst ihm sogar die Hand. Ich bin gleichermaßen erstaunt und beeindruckt.

MICHI:
Das muss auch festgehalten werden im Text...stark! Das hab‘ ich noch nie gesehen.

NINO:
Passiert auch nicht oft. Eher unüblich. Hat noch nie jemand bei mir gemacht. Ich schon, aber nur angedeutet, so wie es mir mein Opa gelernt hat...
...ja, dieses Spiel damals. Das war sehr berührend. Ähnlich wie das erste Mal die „Beatles“ hören. Ich war 9 Jahre alt. Bis dahin hat es mich auch noch nicht so interessiert. Aber dann hat es mich voll erwischt und wollte auch zum Fußballspielen anfangen. Mein Bruder hat mich immer eingeschossen im Garten. Der „Konsel“ hat mir am meisten getaugt. In der Schule hab‘ ich auch am Feld gespielt. In Wahrheit bin ich aber ein Tormann. Bei den kleinen Toren war ich am Stärksten. Das Tor war wie die Bühne, da hab‘ ich mich am besten gefühlt. Aber du weißt ja eh was man über Tormänner sagt...

MICHI:
...da will ich jetzt nicht zu viel dazu sagen, außer dass die auch im Sommer Handschuhe anhaben, da gibt’s einiges...aber nimm‘s bitte nicht persönlich...das sind halt auch Einzelkämpfer in einer Mannschaftssportart...

Wir können uns beide ein Lachen nicht verkneifen.

NINO:
Ich verfolge seit damals den Fußball sehr intensiv. War ja auch sehr oft im Stadion. Im „Hanappi“. Dann ist der „Savicevic“ gekommen und der war auch so ein Idol für mich. Der hat mich sehr beeindruckt. Da wollte ich dann 10er werden. Aber meine Fußballkarriere spielt sich doch eher im Kopf ab, bei einem Verein hab‘ ich nur sehr kurz gespielt.

MICHI:
War das jemals ein Thema eine Stadionhymne oder Vereins-Song zu schreiben? Wäre das ein Wunsch von dir?

NINO:
Ich bin halt nicht so der Hymnen Typ und glaube meine Lieder sind dafür nicht so geeignet. „Fuasboi schaun“ ist ja auch ein Song von mir. Das war aber mehr zur WM. Also 4 Wochen Schnupfen haben und nicht arbeiten gehen, damit man kein Match versäumt... (und wieder lugt der kleine Lausbub um die Ecke)

MICHI:
Du machst keinen Hehl daraus ein großer Rapid Fan zu sein.

NINO:
Ja, aber leider komm ich nicht mehr so oft ins Stadion, da wir zu der Zeit oft selber spielen. Ist eh lustig, ein Spiel dauert 90min, ein Konzert auch meistens. Und zuletzt im Konzerthaus hat es sogar eine Pause dazwischen gegeben, wie im Fußball, also es gibt da schon Parallelen. Und ich glaube, die Fußballer sind mittlerweile größere Rockstars als die Musiker, also ich weiß nicht...den „Ribery“ kennen sicher mehr als den „Ambros“...

Nino nützt sofort die Gelegenheit, um die Rollen umzukehren und mir Fragen über Fußball zu stellen. Ob Fußballer ein Rockstar Leben haben. Ich erzähle ihm, dass es nicht immer nur schön und lustig ist Fußballer zu sein, da gibt es eben viel harte Arbeit, Disziplin, Entbehrungen, großen Druck, schwere Niederlagen, persönliche Tiefschläge und natürlich auch Verletzungen.

NINO:
Ich hab‘ mich auch beim Fußballspielen verletzt. Hab mir zweimal den Ellbogen gebrochen, aber kurioserweise nicht wie ich im Tor gestanden bin. Das Lustige war, ich hab‘ damals grad‘ das Gitarrenspielen gelernt und wie der Gips dann weg war, hab‘ ich dann auf einmal alle Akkorde, die ich vorher noch nicht konnte, plötzlich spielen können. Echt arg. Hat es doch auch was Gutes gehabt. Ich glaube an das Gute irgendwie von allem. Ich bin schon ein Glückskind irgendwie, ich hab‘ schon Glück und fühl mich beschützt...

 

MICHI:

Nochmal zurück zu Rapid. Wir durchleben ja gerade harte Zeiten. Woran liegt das aus deiner persönlichen Sicht?

 

NINO:

Eine verrückte Saison. Es waren jetzt so viele Trainer. So ein Verschleiß. Das hat mich schon irritiert. Ich mochte den „Barisic“ schon gerne als Trainer. Ich weiß nicht, warum der weg musste. Es ist eh immer ein „Auf und Ab“. Ich hoffe, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Konstant aufwärts. Also ich klatsche immer die „Rapid-Viertelstunde“ ein und für mich ist so eine Art Geisterbeschwörung für den Rapid-Geist, den ich kenne und oft erlebt habe. Man kann sich schon sehr freuen mit Rapid und das wünsche ich mir wieder. Auch wenn wir an Salzburg nur schwer rankommen. Es waren zuletzt auch schon ein paar komische Transfers, die leider nicht aufgegangen sind. Aber der neue Stürmer ist glaub‘ ich gut und wir werden auch noch ins Play Off kommen.

MICHI:

Dein Optimismus in grün-weißen Ohren. Abschließend noch eine lustige Begebenheit. Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hast du mir sofort gesagt, dass du ja eigentlich lieber mich interviewen würdest. Woran hast du da gedacht? Was möchtest du gerne wissen, was interessiert dich, ohne dass es jetzt den Rahmen sprengt?

NINO:

Jetzt hab ich so viele Fragen im Kopf. Ich kann mir das ja alles gar nicht vorstellen, wie das wirklich ist als Profi Fußballer, Europacup spielen, in Italien spielen.... Was mich interessieren würde, wie ist so ein Tagesablauf bei einem wichtigen Spiel im Vergleich zu einem Konzert? Was tut man da alles, wie bereitet man sich vor? Wieviel schläft man? Was macht man den ganzen Tag? Zum Beispiel vor dem Finale oder noch besser vor dem Feyenoord Spiel, beim Semifinale, beim 3-0?

Nino lauscht sehr interessiert meinen Ausführungen über die Matchvorbereitung vom lockeren Vormittagstraining, über die Kasernierung im Hotel bis zur Spielbesprechung mit dem Trainer bis zum Anpfiff, inklusive so mancher abergläubischen Rituale. Ich berichte auf seinen Wunsch von meinen wenigen Toren, die ich als Verteidiger erzielen konnte, aber jedes ein sehr geiles Gefühl war.

Natürlich will er einiges über die erfolgreiche Zeit in den 90ern mit den großen Erfolgen im Europa Cup wissen. Teilweise sehr interessante und ungewöhnliche Fragen. Zu meiner Zeit als Legionär in Italien. Sein großes Faible für dieses Land ist ja kein großes Geheimnis mehr. Ebenso zum Nationalteam, das anscheinend auch eine große Faszination auf ihn ausübt und natürlich gleichermaßen für mich sehr besonders war. Abschließend noch zu meinen roten Karten, die trotz meiner harten Spielweise überschaubar waren. Und zu den Emotionen und Typen auf dem Spielfeld, die heutzutage zu unser beider Leidwesen scheinbar etwas verloren gegangen sind.

Wir plaudern dann „off-records“ noch etwas weiter, leeren unsere Getränke, machen noch ein Erinnerungs-Video und Nino streift stolz das Rapid Trikot über, welches ich ihm als Geschenk mitgebracht habe. Er scheint ebenso eine große Freude damit zu haben, wie ich mit seiner aktuellen LP, die er mir beim Konzert persönlich überreicht hatte.

Aber vor allem war es ein sehr nettes Wiedersehen, ein lässiger Abend und cooles Gespräch.

Danke dafür, Nino und alles Gute weiterhin!



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