Bernhard Eder

Vor kurzem erschien sein neuestes Album "Nonsleeper"; darauf enthalten mit "Turn On" ein Song der auch in den Indie Charts für Furore sorgen konnte (Position zum Zeitpunkt des Interviews ist Platz fünf). Also haben wir uns mit einem der umtriebigsten und beliebtesten Indie-Songwriter Österreichs unterhalten: dem großartigen Bernhard Eder.

 

Dein Song „Turn On“ ist von null auf zwei eingestiegen bei uns, stehst also bei den Austrian Indie Djs hoch in der Gunst und hat auch unser Neuvorstellungsvoting klar gewonnen; wie läuft die Nummer sonst so; bei Radios zb?

Der Song läuft auch ansonsten gut, ist derzeit in den FM4 Charts vertreten und diverse Radios im deutschsprachigen Raum haben ihn bereits im Programm. Auch das Video bekommt viel Aufmerksamkeit, zuletzt von Eberhard Forcher in der Austrozone.

Worum geht es in dem Song?

Im Grunde ist es ein sehr einfach gehaltener Song: es geht um das introvertierte Verhalten des Hauptprotagonisten, wobei das Gefühl wohl jeder Mensch kennt - das jemand ansprechen wollen aber nicht wissen wie.

Du bist ein Meister des traurigen Liedes, oftmals auch des traurigen Liebesliedes; ist das Musik wie du sie auch privat am liebsten hörst oder entsteht diese Musik einfach aus deinem Inneren, und du verarbeitest darin persönliches?

Ursprünglich dachte ich bei diesem Album, dass es viel optimistischer klingen wird (tut es ja auch im Gegensatz zum letzten Album "Post Breakup Coffee"), sogar der Begriff "Popalbum" machte die Runde. Am Ende ist es doch wieder ein typisches Bernhard Eder Album geworden, auch wenn Songs wie "Turn on" schon in eine etwas andere Richtung gehen.

Privat höre ich total unterschiedliche Musik - großteils aus dem Bereich Indie, gerne aber auch poppige (Pet Shop Boys hab ich nicht ohne Grund bereits zweimal gecovert) oder hin und wieder auch mal härtere Sachen. Ich bin ja musikalisch in den 90ern aufgewachsen, stark beeinflusst von der britischen Welle als auch von Bands wie Nirvana oder REM, von der Melancholie war ich allerdings schon immer angetan. Die Verarbeitung von persönlichen Erlebnissen ist da irgendwie naheliegend, wobei ich sagen muss dass - abgesehen vom letzten Album " Post Breakup Coffee" - nur in etwa die Hälfte meiner Texte autobiographisch ist, der Rest sind fiktive Geschichten.

Die Wiener Stadt-Zeitung FALTER hat dich vor kurzem als Songwriter-„Kuschelboy“ bezeichnet. Lacht man über so eine Zuschreibung, findest du es doof, ist es leiwand oder aber auch relativ wurscht?

Im ersten Moment hab ich schon blöd geschaut als ich das gelesen habe, musste dann aber auch gleich schmunzeln. Ich kenne ja den Stil der beiden Musikjournalisten vom Falter, da spielt Ironie auch eine wichtige Rolle und so muss man das auch sehen. Dass mich seither viele Leute mit Kuschelboy ansprechen, find ich irgendwie amüsant, ich spiel da auch gerne damit.

 

Wie bist du mit dem Feedback durch Medien aber auch Fans auf dein neues Album „Nonsleeper“ zufrieden?

Bis jetzt bin ich schon sehr zufrieden, sowohl Rolling Stone als auch Musikexpress haben sehr positive Reviews gebracht und ich bin auf der CD von beiden Magazinen, Fm4 spielt die Single auch häufig und es gab auch viele Einsätze in Spezialsendungen. In Deutschland läuft die Promo erst so richtig an, da erschien das Album eine Woche später und da kommt noch einiges, hopefully.

Du spielst viele Gigs, auch in Deutschland; wie würdest du die Reaktionen des Live-Publikums auf deine Musik beschreiben. Gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich, falls ja welche?

Ich seh da keinen groben Unterschied zwischen den beiden Ländern, sondern eher regional. Die Leute in Norddeutschland sind z.b. immer sehr reserviert während eines Konzertes, dafür wollen sie einen am Ende nicht von der Bühne lassen. Ich stell mich da immer spontan auf das Publikum ein, auch was ich zwischen den Songs so erzähle, das kann auch manchmal ziemlich ausarten, da fällt auch hin und wieder der Begriff "Entertainer".

Hast du schon Pläne wie es nach der „Nonsleeper“-Tour weitergeht?

Die Tour wird noch ein Weilchen dauern, für Herbst sind auch bereits einige Termine angesagt.

Im Juli wird es zumindest ein Revival meiner früheren Band "Wa:rum" geben, wir zelebrieren ein rundes Jubiläum. Außerdem werde ich mich auch wieder der Theatermusik widmen, auch hier gibt es bereits einige Anfragen für die nächste Saison. Eine von mir vertonte Inszenierung von "LULU" gastiert im Mai an der Josefstadt und Ende Juni in Warschau, also langweilig wird es mit Sicherheit nicht;)



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