The Boys You Know

"Cover Me" ist bereits die dritte Single-Auskopplung aus dem aktuellen, dem zweiten TBYK-Album  (ja, wenn man's zur Abkürzung durch Anfangsbuchstaben bringt, hat man's geschafft im "Alternative-Rock"). "Purple Lips" heisst es das Album,  und am 6. November beim Ahoi! Pop Fest in Linz spielen sie sicher den ein oder anderen Track daraus. Uns standen sie - vertreten von Tom - bereits vorab Rede und Antwort.

The Boys You Know haben in ihrer gar nicht mal so langen Karriere – kommt mir zumindest noch nicht so lang vor – bereits zwei – beide Male durchwegs hochgelobte – Alben rausgebracht, waren nicht zuletzt auch schon das ein oder Mal in den Indie-Charts nicht unerfolgreich vertreten, haben viel live gespielt, Interviews gegeben etc; wie turbulent kamen euch diese letzten beiden Bandjahre selber vor, oder ist eh alles halb so wild und total easy?

Ich glaube, es war genau die richtige Mischung aus turbulent und easy. Würde alles schneller gehen, kämen wir sicher ins trudeln. Wäre weniger passiert, wären wir vielleicht gekränkt oder so.  Wir haben die Zeit halt effizient genutzt, es gab keine Pausen, es war immer was los, immer was in Arbeit. Schuld daran ist bestimmt kein Erfolgsdruck oder so ein Blödsinn, aber – Sturm der Liebe Fans aufgepasst – wir mögen einander halt echt und uns macht das was wir machen Spaß. Und was das Ganze bestimmt beschleunigt: Wir sind entscheidungsfreudig.

Wenn wir einen Song zum ersten Mal spielen, im Proberaum, dann bleiben 90% davon halt genau so. Und nächste Woche wird nicht wieder alles hinterfragt. Da ist man dann einfach schnell, und kann ein Album pro Jahr rausschießen. Tüftelei ist unsere Sache nicht. Das lässt der Charakter auch nicht zu. Ich glaube, was schwierig und aber essenziell ist, ist einen Modus zu finden, die Vorstellungen aller Bandmitglieder so zu vereinen, dass alle noch guten Gewissens dahinterstehen können.

Und noch schwieriger ist, dass die Band dann trotzdem nicht zu einer Demokratie wird. Weil wenn vier Leute das letzte Wort haben, na ja, dann wird alles zu einem Kompromiss, und in der Kunst ist das ja bekanntlich der Tod. Helge Schneider hat dem Schlingensief mal ein grandioses Interview zu dem Thema gegeben, gibt’s auf YouTube, ich kann das gar nicht so gescheit wiedergeben wie er das gesagt hat.

Tom, dich kannte man ja vorher vor allem auch als Macher vieler großartiger Videos für andere Bands; inwieweit hat das auch mitgeprägt/beeinflusst wie du jetzt als Sänger/Gitarrist deiner Band an Sachen rangehst; ist der visuelle Aspekt, die Verpackung und Präsentation dir da auch sehr wichtig oder ist die Band vielmehr ein Versuch von dir Abstand davon zu gewinnen und dich da ganz anderen Dingen (also zb primär dem Songwriting) zu widmen?

Ich hab mir die eine oder andere Sache abgeschaut. Aber weniger künstlerisch als in so Fragen wie „Wie ist so eine Band strukturiert“, „wie sieht der Alltag aus“, „wie arbeitet man mit einem Label zusammen“, und so weiter. Das war schon cool und wichtig, man stellt es sich ja so ganz anders vor als es dann in Wirklichkeit läuft. Diese Struktur hab ich in meiner Arbeit mit Bands einigermaßen verinnerlicht, und klar hilft das, wenn du dann selber ein Projekt starten willst. Du weißt dann schon, mit wem du mal auf ein Bier gehst, und wen du anrufst, wenn du mal in irgendeinem Punkt anstehst. Und, dazu muss ich sagen, die österreichische Musiklandschaft ist da schon sehr schön verbrüdert. Klar wünscht man sich gegenseitig mal kurz irgendeine Krankheit, wenn einer ein tolles Feature irgendwo hat, oder als der neue heiße Scheiß gehandelt wird, von gestern bis übermorgen. Aber meistens sitzen wir im selben Boot und schauen aufeinander.

Was die Videos angeht, die machen bei uns Andere. Ich hab nicht damit aufgehört um dann für die eigene Band wieder damit anzufangen. Klar hab ich Ideen, und rede auch mal mit, aber ich genieße es, mit anderen kreativen Leuten die Köpfe zusammen zu stecken und zu schauen was da denn raus kommt. Das ist etwas, das wir als Band auf allen Ebenen kultivieren. Leute an Bord zu holen, für alles mögliche, mit denen wir gut können, und die in ihrem Bereich einfach super sind. DIY ist ein einsames Motto.

Es gab da vor kurzem eine „Meinungsverschiedenheit“ mit Youtube, die Videos von euch löschten, weil sie dachten dass da was nicht mit rechten Dingen zugegangen sei; vor kurzem hat dann Youtube eingeräumt sich geirrt zu haben und die Videos durften wieder online gehen. Abschließender Kommentar von euch zu diesem leidigen Thema?

Uns lassen sie jetzt wohl in Ruhe. Für die Ruf- und Wettbewerbsschädigung gab’s ein „sorry, aber im Zweifel wird halt erstmal gelöscht.“.. Aber man kommt wohl zur Zeit nicht um YouTube herum. Wenn wir jetzt sagen, wir laden unsere Videos dort nicht mehr hoch, dann schaden wir ja nur uns, und nicht denen. Im Endeffekt hat Google zwei Möglichkeiten: Sie ändern ihre Policy oder sie werden früher oder später irrelevant. Die Zeiten, in denen alles, was von Interesse ist, via Sony oder UMG veröffentlicht wird, liegen ja hinter uns.

Sie können nicht auf die Indies scheißen, sie müssen und werden umdenken. Und solange halten wir schon durch. Ist jetzt aber auch kein wesentlicher Aspekt unseres täglichen Lebens, mehr so eine Randstory. Nach Myspace kam ja Facebook, und heute weint niemand mehr seinen Top-Freunden nach.

 
Wie geht`s weiter bei euch oder ist es noch zu früh euch nach einem nächsten Album zu fragen? Gibt es schon Ideen, gar Songs (falls ja in welche Richtung entwickeln sich TBYK weiter)?

Wir sind schon wieder im Studio. Mal Demos machen, und so. Was da als nächstes von uns kommt wird auf jeden Fall eingängiger und runder produziert sein als man es von uns gewöhnt ist. Das ist zwar immer ein schmaler Grat, zwischen leiwand und Hochglanz, aber für uns geht es sich aus. Wir wollen uns nicht selbst im Weg stehen, uns nicht limitieren oder in Szenen verkriechen. Vor kurzem hat mal wer in einem Gespräch gesagt „Ja, klar können wir alle cool sterben, aber…“, und das stimmt irgendwie.

Wir haben grade Bock teilzunehmen, am Geschehen. Es gibt so viele coole Projekte in diesem Kosmos und irgendwie verlieren grade alle zunehmend die Angst vor den großen Melodien oder dem einen oder anderen Move - was super ist. Wir hatten ja jetzt zwei Alben und zwei dazugehörige Promophasen Zeit, uns zu überlegen, wie wir klingen wollen und wie wir sein wollen. Wir werden glaub ich sattelfester. Und wir haben keinen Stress. Wenn diese drei Jahre die wir nun gemeinsam am Buckel haben irgendwas gezeigt haben, dann, dass es sowieso läuft, immer, und den Erfolg kann man sowieso immer nur an sich selbst messen, und daran, wie es einem damit geht.

Wir sind  nicht U2, Bilderbuch sind nicht U2, Ja,Panik sind nicht U2, Soap&Skin ist nicht U2 und die dritte Band von links aus Hollabrunn ist auch nicht U2. Das haben wir alle gemeinsam. Egal ob in der Schweiz oder in Deutschland jemand schreibt dass du cool bist - der Unterschied zwischen 500 und 10.000 Followern ist nichts worum du dir ein Brot kaufen kannst. Die schlaflosen Nächte diesbezüglich sind lang vorbei. Und wenn man das erst mal begriffen hat, macht es einem auch nicht den Output kaputt. Wär gut wenn das so bleib



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