Wir Nennen Uns: MAUF passt eh!
MAUF hat das Musikprojekt Wir Nennen Uns seine aktuelle Single genannt. Im Gespräch mit dem Indie Charts Magazin erzählt CHRIS, was es damit auf sich hat, wie er KI in der Musik bewertet und wie es mit Wir Nennen Uns jetzt weitergeht.
Indie Charts Magazin: CHRIS, erzähl uns bitte etwas über WIR NENNEN UNS? Was steckt hinter dem Bandnamen?
WIR NENNEN UNS: Damals in Baden, im Ayers Rock, nannten wir uns WIR NENNEN UNS Rosarot. Der Song GEDANKENWERDEGANG ist einer der Songs, die wir damals 1999 in Baden aufgeführt haben. Geprobt für diesen Auftritt wurde ca. 5-mal im Black Lagoon in Wien. Die Neuinterpretation von GEDANKENWERDEGANG (27 Jahre später) ist somit auch der Start gewesen, das Projekt WIR NENNEN UNS wieder zu beleben. Doch nun zu zweit im Dialog zwischen mir und STUARD.
Heute nennen STUARD und ich unser Projekt WIR NENNEN UNS und finalisieren diverse Songs. So kommt es zum Beispiel, dass unser zweiter Song MAUF vor zehn Jahren in Wiener Neudorf aufgenommen wurde und 2026 von STUARD die Vocals und Lyrics in einem ONE TAKER beigesteuert wurden.
Eure aktuelle Single MAUF sorgt allein mit dem Titel für Aufmerksamkeit. Was bedeutet er?
Der Arbeitstitel war MAUFTOM, da zuerst die Maultrommel von mir eingespielt wurde und der Projektordner einen Namen brauchte. STUARD nannte ihn dann in weiterer Folge, aber zehn Jahre später, einfach MAUF. Und als ich meinte, wir brauchen noch einen g'scheiten Titel für den Song, meinte STUARD trocken: „Wieso? MAUF passt eh!“
In der Single geht es in Performance-artigem Sprechgesang zwischen Post-Punk-artigem Soundteppich um eine Person, die irgendwie Teil einer Bewegung sein will, dann aber wieder doch nicht. Andere Menschen werden plötzlich als Bedrohung wahrgenommen, Angst und Misstrauen verstärken sich zu einer Eskalation der Gewalt. Vor der der Beobachter kapituliert und sich mit Alkohol betäubt. Ist das euer Blick auf die Welt, auf unsere Gesellschaft? Seht ihr irgendwo eine Heilungschance?
Als ich den Text das erste Mal gehört hatte, musste ich lachen, da der Streit mit dem Nachbarn gegen Ende aberwitzig war. Doch je mehr ich mich mit dem Song und dem Text beim Videoschneiden und -bearbeiten beschäftigt habe, desto mehr glaube ich, STUARD in der Richtung zu verstehen:
Generell nehmen auf der ganzen Welt aktuell Gefühle wie Zorn und Hass überhand, und man sieht Streit und Disput überall – besonders in diversen sozialen Medien und Foren. Politiker, die uns eigentlich vorleben sollten, wie es geht, streben noch mehr in diese Richtung. Die Masse an feindseligen Postings, die nur zu noch mehr Postings führt, nimmt überhand. Ich denke, es ist schlauer, sich auf Gefühle zu fokussieren, die uns weiterbringen, anstatt uns zu spalten.
Das Video zur Single ist KI-generiert. Wie stehst du/steht ihr zum Einsatz von KI in der Musik?
Achtung: Die folgende Antwort ist KI-generiert! ;)
Nein, Scherz beiseite. Die Bilder sind gepromptet, das stimmt. Zusammengefügt, geschnitten und bearbeitet sind sie, zu unserer Verteidigung, aber von Hand. Für mich ist ein Video nochmals ein künstlerischer Eingriff und quasi ein weiteres Projekt, und ich liebe diesen Teil des Schaffens. Die KI gibt hier, wie auch in vielen anderen Bereichen, neue Möglichkeiten und kann als Inspiration zur Hand genommen werden.
Wenn aber die KI überhandnimmt und man komplett KI-generierte Musik veröffentlicht, um Tantiemen und Geld durch YouTube- und Spotify-Klicks zu scheffeln, fühlt sich das nicht ritterlich an und sollte unterbunden werden. Ich denke, einige Länder gehen da bereits interessante Wege mit einer Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Musik.
Ich persönlich würde solche Musik aber auch nicht klicken, da für mich die Kunst da aufhört, wo es ausschließlich künstlich ist. Die Grenze ist dabei wahrscheinlich fließend, und oft wird man es als Hörer auch nicht immer mitbekommen.
Immer wieder klagen Künstlerinnen und Künstler über hohe Kosten von Produktionen und Konzerttouren sowie sinkende Verkäufe (wegen Streaming) und ausbleibende Förderungen. Wie schätzt ihr die aktuelle Lage für Indie-Musikschaffende ein? Und wie sieht das speziell bei euch aus? Apropos: Gibt es euch bald live zu sehen? Und wie geht es musikalisch weiter?
Die Produktionskosten sind Eigenkosten. Ich habe ein eigenes Tonstudio. STUARD hat sein Label 34TO7RECORDS, über das wir dann auch releasen.
Aktuell stellen wir nur alte Songs mit neuen Ideen fertig und spielen nicht vor Publikum. Um live zu spielen, bräuchten wir schließlich auch mehr Personal – aber wer weiß, was noch kommt!
Unser nächster Release REST IN PEACE, mit dem ich ein sehr emotionales Kapitel aufgearbeitet habe, wird am 15. August 2026 veröffentlicht. Die Stimme kommt von STUARD, der Text von mir. Hier gibt es einen QR-Code zum nächsten Video, welches ohne KI auskommt.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!
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