Wie KI die Indie-Musik kaputtmacht

KI-Tools wie Suno oder Udio können heute in wenigen Minuten komplette Songs erzeugen. Doch der Preis dafür könnte hoch sein: Millionen KI-generierter Tracks überschwemmen Streaming-Dienste, echte Künstlerprofile werden missbraucht und selbst Indie-Songs landen offenbar ungefragt in Trainingsdatensätzen großer KI-Modelle. Wie groß ist die Bedrohung für unabhängige Musikerinnen und Musiker – und was lässt sich dagegen tun?

Auf Plattformen wie Suno oder Udio lassen sich komplette Songs oft mit nur ein paar Prompts erstellen – gefüttert mit vielen Millionen Songs und Songtexten von echten Musikerinnen und Musikern.

Diese Songs fluten dann Streaming-Plattformen wie Spotify, etwa über Fake-Profile oder in Form von KI-Bands. Noch perfider: KI-generierte Musik wird auch über echte Profile veröffentlicht, ohne dass die Künstlerinnen und Künstler davon wissen. Zerstört das die Indie-Musik – und was können wir dagegen tun?

Wer nicht selbst zu Gitarre, Keyboard oder Mikro greifen will, um sich schnell und einfach einen eigenen Song zu erstellen, steuert KI-Plattformen wie Suno oder Udio an. Dort werden Songs über simple Befehle (Prompts) generiert. Nutzerinnen und Nutzer geben ihr bevorzugtes Genre, vielleicht ähnlich klingende Musikerinnen und Musiker sowie eine Stimmung an. Wenige Minuten später können sie sich einen Auszug oder einen kompletten Song anhören oder herunterladen.

KI-Songs fluten Streaming-Plattformen

Nutzt man ein solches Tool als Spielerei, ist dagegen wohl nicht viel einzuwenden. Das Problem beginnt, wenn damit Kasse gemacht werden soll. So haben in den vergangenen Monaten KI-Bands wie The Velvet Sundown auf Spotify Erfolge gefeiert. Und die Ertappten sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn Millionen von KI-Songs fluten die Streaming-Plattformen wie Spotify und machen echten Künstlerinnen und Künstler die ohnehin schon geringen Einnahmen streitig. Erfolgreiche Anbieterinnen und Anbieter verdienen mit KI-Songs im Monat fünfstellige Beträge. Ist das noch fair? Wohl kaum!

Noch gemeiner: Immer häufiger kommt es vor, dass unbefugte Dritte ihre KI-Songs über echte Profile von Musikschaffenden verbreiten. Eine der Betroffenen ist die Indie-Pop-Künstlerin Tara Nome Doyle, die nur durch Zufall auf Songs auf ihrem Profil stieß, die sie gar nicht veröffentlicht hat. Spotify hat das trotz einiger Anti-KI-Maßnahmen offenbar nicht unter Kontrolle, wie der NDR schreibt. Und Doyle ist bei Weitem nicht die Einzige. Auch der Band Toto oder dem Indie-Rock-Musiker Jeff Tweedy ist das schon passiert.

Die Hürden scheinen vergleichsweise gering zu sein. Über einen Musikvertrieb werden Musik, Artwork und Metadaten für die Auslieferung an die Streaming-Plattformen hochgeladen und können dann auf einem Profil nach Wahl veröffentlicht werden. Dass und wie das funktioniert, hat der Musiker und YouTuber Venus Theory in einem Selbstversuch vorgeführt.

Doch auch das ist noch nicht alles – und hier schließt sich der Kreis zu Suno und Udio wieder. Denn diese KI-Plattformen basieren auf den Trainingsdaten von Millionen von Songs. Deren Erstellerinnen und Ersteller dürften dem derweil nicht dezidiert zugestimmt haben.

Song-Datensätze für KI-Training

The Atlantic hat Zugriff auf einige Datensätze mit jeweils Hunderttausenden bis Millionen von Songs erhalten, die für das KI-Training eingesetzt wurden oder werden. Sie kursieren demnach in entsprechenden Kreisen und können von KI-Entwicklerinnen und Entwicklern einfach verwendet werden. 

Bei The Atlantic findet sich eine Möglichkeit, die Datensätze nach eigenen Songs zu durchsuchen. Wir haben das einmal für die aktuelle Indie-Charts-Spitzenreiterin (KW 26) RAHEL – „primetime“ – versucht. Und tatsächlich spuckt die Datenbank 15 Ergebnisse der österreichischen Indie-Musikerin aus.

Aktuell kursiert ein Video des Rappers Klang der Nudel, der nicht nur seine eigenen Songs in den Datensätzen gefunden, sondern auch herausgefunden hat, dass KI-Tools mit diesen Daten Schindluder treiben. Denn auf den Befehl hin, einen Song in Form eines Klang-der-Nudel-Liedes zu generieren, hat die KI-Plattform auch große Teile des Songtextes 1:1 übernommen.

Und es kommt noch schlimmer: Denn eine Songzeile fand sich gar nicht in der offiziell veröffentlichten Version des Songs. Sie stammt laut Klang der Nudel aus einer früheren Version, die nur bei Google Docs zu finden war, wo Klang der Nudel seine Texte offenbar schreibt. Liefert Google auch Entwürfe von Indie-Songwritern an die KI-Trainingsschmieden aus? Genau das impliziert zumindest das Video des Rappers. Beweisen lässt sich das so ohne Weiteres freilich nicht.

Was nun, was tun?

Viel lässt sich leider nicht unternehmen. Im Falle des Missbrauchs echter Profile durch KI-Betrügerinnen und Betrüger kann man dies Spotify melden und hoffen, dass die KI-Songs schnellstmöglich entfernt werden. Oder man nutzt nur noch Anbieter wie Deezer, Bandcamp oder Tidal, wo man KI-generierter Musik den Kampf ansagt. Und: Songtexte nicht auf einer Online-Plattform schreiben!

Was ist eure Meinung? Wie können Indie-Musikerinnen und Musiker sich der KI-Bedrohung entgegenstellen. Und was sind eure Strategien für die musikalische Zukunft? 

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Foto: RAHEL (c) Daria Savytska

Auch Songs der österreichischen Indie-Musikerin RAHEL werden offenbar für das Training von KI-Modellen eingesetzt.



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