DJ Nils & DJ ErV

Die Indiecharts DJs stellen sich vor - Teil 3

In dieser Rubrik stellen wir die Leute hinter den Charts vor; momentan sind es knapp sechzig über ganz Österreich verteilte Djs, die Woche für Woche die Austrian Indie Charts per Voting ermitteln. Der Modus ist so, dass die Djs aus sechzig aktuellen Vorchlägen ihre jeweiligen Top Ten voten (sollte unter den sechzig Vorschlägen nichts passendes dabei sein, haben die Djs die Möglichkeit eigene Vorschläge einzubringen, sprich das Erscheinungsbild der Charts aktiv mitzubestimmen). Heute an der Reihe ein Duo: Dj Nils und Dj ErV.

 

Hallo, ihr veranstaltet ja das legendäre London Calling im flex; quasi die Mutter aller österreichischen (zumindest Wiener) Indie-Nächte; wann kann man euch auflegenderweise erleben, und was erwartet jemanden der zum ersten Mal ein London Calling besucht?

Es sind mittlerweile doch ein paar Jährchen vergangen, die wir im Flex und als DJs des Clubs LC verbracht haben. Wir waren unglaublich happy, als es Ende letzten Jahres hieß, dass wir die Gelegenheit erhalten, als Veranstalter das Clubbing mitzugestalten, umzukrempeln und unsere Ideen für die kommenden Freitage im Flex zu verwirklichen.

Im Zuge dieser neuen Tätigkeit, die von Booking über die komplette Organisation bis hin zur Verschönerung der Flex Halle durch neue, passende Deko reicht, um den Freitagabend aus der Masse der Veranstaltungen abzuheben, haben wir uns aus dem aktiven Ding etwas zurückgezogen um Newcomern und gestandenen DJs die Möglichkeit des Auflegens zu bieten.

Das soll heißen, dass wir selbst im Schnitt nur mehr drei Freitage im Monat an den Decks anzufinden sind.

Natürlich geben wir, vielleicht auch gerade wegen unserer neuen Verpflichtung, mehr Gas denn je und ballern unsere besten und neuesten Mixes raus.

Unsere Kollegen tun uns gleich und den/die Besucher/-in erwarten die neuesten Indie und Rock 'n' Roll Hits in neuer Verpackung, kombiniert mit fetten MashUps und Mixes.

Worauf legt ihr besonderes Augenmerk beim auflegen?

Nils: Besonderes Augenmerk wird bei unseren Sets auf Professionalität, die perfekte Tonabstimmung und der richtigen Auswahl der Tracks gelegt. Jede Woche wird privat geprobt, neue Songs werden gesucht, besprochen und besorgt, um daraus geile Mixes und Sets vorzubereiten.

ErV: Am meisten konzentriere ich mich natürlich auf das Publikum, wie reagiert es bei einem bestimmten Song? Meistens probiere ich am Anfang unseres Sets zuerst alle Stilrichtungen durch und gehe dann in eine Richtung, die besonders gut auf der Tanzfläche ankommt. Ich denke, dass es beim Auflegen auch genau um das geht: die Stimmung der Gäste einzusaugen und ihnen dann, jedoch ohne sich selbst zu prostituieren, in etwa das zu liefern was sie wollen. Auch wenn die Gäste oft selbst nicht wissen was für eine Musikrichtung sie wollen, muss es der DJ trotzdem erahnen.

Und worauf legt ihr besonderes Augenmerk als votende Djs bei den Austrian Indie Charts; welche Art von Tracks haben bei euch gute Chancen nach oben gevotet zu werden?

Wir favorisieren Tracks, die etwas Spezielles, Neues bieten und sich von der Masse abheben – ganz einfach interessant und extravagant sind und dennoch mehrfach hörbar bleiben.

Hier wären als mehr als positives Beispiel die Jungs von Bilderbuch zu nennen, die es gekonnt schaffen bereits da gewesenes so frech und peppig neu zu verpacken, sodass etwas ganz Neues entsteht und dies spiegelt sich nicht nur in Awards, sondern auch in der breit gefächerten Hörerschaft eindeutig wieder.

Was sind so eure Favoriten bei den aktuellen Austrian Indie Charts?


Nils: Wie zu erwarten stehe ich derzeit extrem auf die Bilderbücher, jedoch überraschen die guten alten Blur ebenfalls wieder mit neuen, sehr speziellen und toll arrangierten Songs.

Für mich hätten sich die Dandy Warhols, immer schon einer meiner Favourites, einen Platz weiter vorne verdient, da sie nach wie vor mit unglaublich tollen Tracks mein Leben beeinflussen.

Allgemein finden wir, dass deutsche bzw. österreichische Musik mehr gepusht werden sollte. Im Gegensatz zur französischen Zwangsquote sollten jedoch Radiosender weiterhin frei entscheiden können was sie wann spielen. Wir glauben auch, dass durch eine Subventionierung von Proberäumen und der Förderung junger Musiker, DJs und Bands der musikalische Anteil, egal ob im Radio oder auf der Bühne, von selbst steigen würde. Um solche Künstler selbst zu fördern bzw. ihnen eine Plattform zu bieten streben wir im Laufe dieses bzw. Anfang nächsten Jahres die Verwirklichung unseres eigenen ersten „AustroPop“–Clubs an, da unserer Meinung nach so etwas in der Wiener/Österreichischen Clubszene einfach abgängig ist, vor allem in der Alternativszene, weit ab von DJ Ötzi, Gaballier und Co., und mit Sicherheit funktionieren könnte.

ErV: Grundsätzlich bin ich ein ziemlicher England-Fanatiker. Bands wie die Palma Violets, PEACE und so ziemlich alles, was so aus der Asche der Libertines aufsteigt, erzeugt in mir noch immer ein bisschen jugendlichen Überwahn.

Bei dieser Musik will ich einfach nur raus aus der Bude und etwas erleben. Durch Nils eröffnet sich mir aber im Moment auch ein bisschen die Electro-Richtung. Gesaffelstein, Boys Noize und Justice find ich schon sehr geil.

Von welchem 2015 noch geplanten Album erwartet ihr euch am meisten?

ErV: Da gibt es eigentlich nur eine logische Antwort, auch wenn ich mich wiederhole. Das neue Libertines Album steht da meilenweit an erster Stelle. Wenn ich an die letzten Jahre denke, hab ich fast zu jeder Erinnerung einen Song von ihnen im Kopf und ich hoffe und glaube, dass das neue Album der Soundtrack unseres weiteren gemeinsamen Weges sein wird. Sei es im DJ-Bereich oder in unserer extrem guten Freundschaft zwischen Nils und mir.

Nils: Von Ratboy wird man in diesem Jahr noch einiges hören. Der wandelt auf den Spuren von Jamie T. und ich denke, dass der ziemlich big werden wird. 

Welche Band hat euch andererseits in letzter Zeit enttäuscht, sei es mit einem schwachen Album oder auch einem nicht so gelungenen Konzert?

ErV: Also Konzert, ganz klar PAROV STELAR. Nicht genug, dass dieses, nennen wir es freundlicherweise „Konzert“, in einer ehemaligen Rinderhalle stattgefunden hat, man hat sich auch so gefühlt. Grelles Licht, 11.000 Menschen, kein Platz und beschissener Sound. Ich überlege aufgrund dessen, zum Vegetarier zu werden. Das wars wohl mit Burger.

Nils: Als Band hat mich Mumford & Sons ein wenig enttäuscht. Die hatten doch irgendwie einen eigenständigen Sound, haben sich jetzt aber leider in Richtung Mainstream entwickelt und hören sich an wie Kings of Leon. Die haben damals eigentlich einen ähnlichen Stilwechsel durchgemacht. Früher gut, heute eher nicht so gut.

Wie geht`s weiter mit Londong Calling; gibt es News?

ErV & Nils: Also bis Ende Juni wird jetzt einmal fleißig weiter gerockt und gerollt, danach gehen wir, so wie es im Moment aussieht, erst mal in die verdiente Sommerpause. Ab Herbst liegt die Entscheidung dann beim Flex. Wir haben in den letzten Monaten an Energie alles rausgehauen was wir hatten (und auch nicht hatten), und hoffen, dass wir dann ab Oktober wieder vor vollem Haus spielen dürfen. Indie galt ja in den letzten Jahren als tot, aber ich denke, hier im Flex haben wir gezeigt, dass es noch genügend Leute mit gutem Musikgeschmack gibt, die auch gerne mal in einer größeren Halle mit einer ordentlichen Tanzfläche und großartigem Sound das Tanzbein schwingen wollen. Kleine Cafés gibt's ja genug, das Flex ist aber auf seine eigene Art und Weise schon einzigartig.

 



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